Der leisen Bahn gehört die Zukunft

Dem Regenwetter in Düsseldorf entfliehend, möchte ich heute das Infomobil der Deutschen Bahn in Boppard besuchen. Mich interessieren die Maßnahmen, mit denen das Unternehmen dem Schienenlärm im Mittelrheintal begegnen will. In Boppard angekommen, finde ich das Infomobil direkt vor dem Hauptbahnhof. »Der leisen Bahn gehört die Zukunft«, springt mich auf einer großen Tafel direkt an. Eine Reduktion der Geräuschemissionen um 50% bis 2020 verspricht der Text. Vielversprechendes Intro für das, was mich im Infomobil erwartet. Der Andrang ist gering, ich bin der einzige Besucher. »Endlich, ein Interessierter!«. Man stürzt sich freundlich auf mich und berichtet erstaunlich offen über die Herausforderungen, mit denen sich die Bahn bei der Bewältigung des Lärmproblems konfrontiert sieht. Wie immer ist die Sache dann doch komplizierter als man sich das anfangs gedacht hat. Es ist nicht leicht, die vielen Akteure, ihre Kompetenzen, Einflusssphären und spezifischen Restriktionen auseinanderzuhalten. Aber die nette Bahnmitarbeiterin macht einen wirklich guten Job, mir die ganzen Zusammenhänge im Detail zu erklären.

Es fängt alles damit an, dass die Bahn nicht einfach die Bahn ist. Man muss unterscheiden zwischen der Bahn als Betreiber des Schienennetzes (DB Netz AG) und der Bahn als Transportdienstleister (DB Schenker Rail). Während die DB Netz AG zu 100% vom Bund finanziert wird, muss sich DB Schenker Rail wie jedes andere gewinnorientierte Unternehmen dem Markt stellen. Was zunächst nach »linker Tasche, rechter Tasche« aussieht und für viele Bürger kaum zu durchschauen ist, hat für die Lärmsanierung des Mittelrheintals gravierende Auswirkungen. Für die Finanzierung von Emissionsschutzmaßnahmen an der Infrastruktur ist der Bund zuständig. Dieser stellt jedoch bereits seit dem Jahr 1999 in einem freiwilligen Programm jährlich bis zu 100 Millionen Euro für Lärmschutzsanierungen an den bestehenden Schienenwegen zur Verfügung. Zu den  Lärmschutzmaßnahmen gehören Schallschutzwände, Veränderungen an Brücken und Gleisbett, akustisches Schleifen der Gleise oder auch der Einbau schallisolierender Fenster.

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Quelle: Deutsche Bahn

Das Problem: Die Sanierungsmaßnahmen beruhten bislang auf allgemein verbindlichen Beurteilungskriterien, die die spezifischen Aspekte eines Flusstals wie dem Mittelrheintal nicht adäquat abbildeten. So wurden z.B. die Schallreflexionen an den Talhängen oder die akustischen Eigenschaften von Wasseroberflächen nicht angemessen berücksichtigt. Probleme, die in neue Standards eingearbeitet sind, für deren Umsetzung nun aber neue Projekte aufgesetzt werden müssen. Zudem förderte der Bund zwischen 2009 und 2011 innovative Projekte zum Lärmschutz mit 78 Millionen Euro und stellt bis Ende 2014 über das Infrastrukturbeschleunigungsprogramm II weitere 40 Millionen Euro bereit, die mit dem regionalen Schwerpunkt »Mittelrheintal« ausgegeben werden.

Grafiken im Infomobil machen deutlich, dass die Geräuschemissionen des Güterverkehrs überwiegend von den rund 180.000 Bestandsgüterwagen herrühren, die noch mit sogenannten Grauguss-Bremssohlen ausgestattet sind. Deren Austausch durch moderne Flüsterbremsen aus Verbundstoffen würde zu einer erheblichen Lärmreduzierung beitragen. An einem interaktiven Terminal im Infomobil kann man sich einen überzeugenden Höreindruck der verschiedenen Lärmschutzmaßnahmen verschaffen. Die modernste Version dieser Flüsterbremsen, die LL-Sohle, ist allerdings erst seit Juni 2013 europaweit zugelassen. Eine Umrüstung kann also auch jetzt erst richtig in Gang kommen. Zurzeit noch hohe Stückpreise und ein deutlich stärkerer Verschleiß der Kunstoffbremssohlen wirken dämpfend auf die Bereitschaft der Anbieter, ihre Wagen umzurüsten.

Quelle: Deutsche Bahn

Quelle: Deutsche Bahn

Von der großen Zahl der Bestandsgüterwagen entfallen nur rund 60.000 auf die Deutsche Bahn. Die sollen jedoch bis 2020 komplett umgerüstet sein. Der weitaus größere Teil der Wagen ist im Besitz anderer in- und ausländischer Wagenhalter und Bahnen. Europarechtliche Regelungen setzen Deutschland enge Grenzen, Lärmschutzmaßnahmen rein national gegenüber Trassennutzern durchzusetzen. Nur über lärmabhängige Trassenpreise und Zuschüsse des Bundes besteht ein Anreizsystem zur Umrüstung bestehender Wagen. Dies soll dafür möglichst effektiv eingesetzt werden, um die höheren Kosten von Flüsterbremsen auszugleichen. Von der Nutzung der Genua-Rotterdam-Trasse durch das Mittelrheintal lassen sich andere Bahnbetreiber durch höhere Trassenpreise indes nicht abhalten.

Im Beirat »Leises Mittelrheintal«, dem Vertreter des Bundes, der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz, sowie der Bahn und Bürgerinitiativen angehören, wurde gerade in dieser Woche eine Empfehlung von rund 80 Lärmschutzmaßnahmen beschlossen. Einzig über deren Finanzierung streiten Bund, Länder und Bahn noch. Angesichts der in der Vergangenheit bereits geflossenen Mittel fordert der Bund ein Mitengagement der Länder, welches diese mangels Zuständigkeit ablehnen. Man hofft, dass sich bis zur nächsten Beiratssitzung in diesem Jahr noch ein Kompromiss finden lässt. Das Mittelrheintal hätte es verdient!

754 Bewerbungen

Das ist der helle Wahnsinn! 754 Bewerbungen sind ersten offiziellen Angaben zufolge für die Stelle des Burgenbloggers eingegangen. Marcus Schwarze (@MarcusSchwarze) und Lars Wienand (@LarsWienand), beides Redakteure der Rhein-Zeitung, haben die wirklich schwere Aufgabe, alle Bewerbungen zu sichten. Zunächst wird die große Zahl von BewerberInnen auf 50 KandidatInnen eingedampft und daraus wiederum 10 ausgewählt. Anfang November wird dann auf Burg Sooneck die Endauswahl zum Burgenblogger 2015 stattfinden.

Unter http://burgenblogger.org findet sich wieder ein Count-Down bis zum Termin der endgültigen Entscheidung. Sehr hübsches Feature. Daneben werden alle bisher gesammelten Beiträge und Bewerbungen in einem eigenen Dokument zum Download angeboten. Ich finde das eine wunderbare Idee.

Last Minute Bewerbung, geteilt auf Facebook ;)

Gefühle, Gefühle, Gefühle … und immer an die Leser denken ;)

Seit Tagen überlege ich hin und her, wie ich den Burgenblogger-Blog wohl interessant gestalten könnte. Einiges habe ich ja inzwischen auch ausprobiert. Das Internet ist eine verdammt gute Fundgrube für allerlei Zeugs. Ich bin mittlerweile ganz gut im Bilde, was das Mittelrheintal angeht. Aber ist das interessant für Leser? Wer möchte schon jeden Tag das Neueste aus Burghausen, also vom Burghausen, ich meine genau genommen vom auf der Burg hausen, lesen? Klar Burgen gibt es viele, aber die meisten stammen gar nicht aus dem Mittelalter. Jedenfalls das, was man heute davon sieht. Da ist viel Mittelalterromantik hineingeplant worden von Burgherren aus dem 18. und 19. Jahrhundert. So auch Sooneck. Ist eigentlich nichts anderes als ein fürstliches Wonderland, originalgetreu wieder aufgebaut, aber eben nicht original. Macht nichts, fühlt sich trotzdem gut an. Ja, und da sind wir genau an dem Punkt, der das Leben so spannend macht und auch LeserInnen faszinieren kann: Emotionen! Gefühle und echtes Leben! Wie fühlt es sich an im Mittelrheintal? Gibt es da ein spezielles Lebensgefühl? So wie im Saarland oder auf einer ostfriesischen Insel? Ich werde dem Tal mit einer unglaublichen Achtsamkeit begegnen müssen, um nichts zu verpassen. Aber vielleicht gibt es das eine Gefühl gar nicht? Ich brauche eine Projektionsfläche für all das, was mir an Sichtweisen, Ideen, Lebensstilen, Problemen, Fragen und eben Gefühlen begegnet.

Es ist vielleicht die größte Schnapsidee, die ich in den letzten Wochen geboren habe, aber je länger ich darüber nachdenke … Wie auch immer, ich habe mir überlegt, in den sechs Monaten jeden Tag etwas über die Geschichte der Familie Stepanovic zu erzählen. Die Figuren sind fiktiv, deshalb kann ich alles auf ihnen abladen, was mir zu erzählen wichtig ist: Antonin Stepanovic zieht mit seiner Frau Susanne und den drei gemeinsamen Kindern ins Mittelrheintal auf das Weingut Kramer. Sie wollen nach dem Tod von Susannes Vater das elterliche Weingut übernehmen. Leider hat Antonin von Wein gar keine Ahnung. Er ist eigentlich Maschinenbau-Ingenieur und macht keinen Hehl daraus, dass er das alles nur seiner Frau zuliebe tut. Auch für die Kinder ist es eine Umstellung, aus der Stadt in ein kleines Dorf am Rhein umzuziehen.  Hier läuft das Leben nach einem anderen Takt – oder etwa doch nicht? Die Stepanovics fangen im Mittelrheintal ganz von vorne an. Sie stehen für den Aufbruch und die Erneuerung, aber auch für Kontinuität und Tradition. Ihre Welt ist der Mikrokosmos, in dem sich das Mittelrheintal in allen seinen Facetten spiegeln wird. Ich hätte mein großes Ziel erreicht, wenn sich die “Mittelrheiner” in den gezeichneten Charakteren wiederfinden und alle anderen etwas von der Seele der Region erspüren könnten. Dass man die Geschichten mit allerlei Daten und Fakten sowie realen Begebenheiten spicken kann, versteht sich wahrscheinlich von selbst.

Darf’s ein bisschen Soap sein?

Die Bewerbungszeit geht in ein paar Tagen zu Ende. Das ist ein guter Punkt, um ein Zwischenfazit zu ziehen. Als erstes muss ich ehrlicherweise eingestehen, dass es ein  hoher Anspruch ist, jeden Tag etwas geistreiches über das Mittelrheintal zu schreiben. Die Region hat so viel zu bieten, so viele Themen drängen sich auf, dass man sich wie ein kleiner Junge vorkommt, der vor einer riesigen Lade mit Bonbons steht und sich genau eines aussuchen soll. Unmöglich. Grausam. Einfach schlimm. Ungefähr so geht es mir jedenfalls, wenn ich mich mit dem Mittelrheintal beschäftige. Alle Themen irgendwie behandeln zu wollen macht ganz sicher Bauchschmerzen und weckt vermutlich auch nicht den Appetit der Leser. Ein Thema gut aufzubereiten braucht einfach seine Zeit. Mit den ersten Texten wurde mir eines mehr als klar: Burgenbloggen wird kein bequemer, leichter Job. Die 2000€ sind, wenn man die Aufgabe wirklich ernst nimmt, kein leicht verdientes Geld. Neben einer unerlässlichen Recherchetätigkeit in Büchern, Zeitschriften, Bibliotheken und dem Internet muss der Burgenblogger sehr viel Zeit mit den Menschen und bei den Menschen im Tal verbringen, sich das Wesen der Landschaft erwandern oder vom Schiff aus erfahren. Die Vorstellung, andere Projekte parallel zu betreiben, fällt mir zunehmend schwerer. Auch wenn das Leben auf einer Burg eine ordentliche Portion Mittelalterromantik verspricht, wird die Produktion von guten Texten und ansprechenden Artikeln ein hartes Stück bodenständiger Arbeit werden. Und noch eines wurde mir in den letzten Wochen klar: Ohne einen roten Faden, ein Grundkonzept für den Blog, wird dieser zu einer konfusen Sammlung von Texten werden. Was es braucht, ist eine Geschichte, die sich wie eine tägliche Soap weiterspinnt. Es muss Spaß machen und einen Sinn ergeben, den Blog möglichst täglich zu verfolgen.

Wie kann aber ein Konzept aussehen, bei dem man nicht droht, sich in tausend Details zu verlieren und LeserInnen mit kleinen Mosaiksteinen zu bewerfen? Wie findet man die verbindenden Themen, schafft das Bewusstsein für das große Ganze und zeichnet dennoch ein lebendiges Bild des Mittelrheintals? Wie verbindet man all dies mit einer guten Story, die sich jeden Tag weiterentwickelt? Etwas, das zu lesen einfach Spaß macht?! Darüber will ich mir noch Gedanken machen. Ein paar Ideen spuken mir schon im Kopf herum. Mal sehen.

Bin ich ein unfairer Burgenblogger-Bewerber?

Starke Worte. Gestern habe ich auf Facebook sehr direkte Kritik für meinen Burgenblogger-Bewerbungsblog erhalten, die sich aber eher am Namen und der Aufmachung festmachte und weniger an den Inhalten selbst. Für alle, die noch nicht wissen, was der Burgenblogger ist: Die Rhein-Zeitung hat mit Partnern ein Projekt ausgeschrieben. Sie suchen den Burgenblogger, der im kommenden Jahr für sechs Monate auf der Burg Sooneck wohnen darf und täglich in einem Blog über das Mittelrheintal schreiben soll. Hierfür erhält er eine Aufwandsentschädigung von 2.000€ pro Monat und bekommt professionelle Schützenhilfe durch die Initiatoren. Dies klingt natürlich nach einem Traumjob, auf den sich bereits einige Hundert Menschen beworben haben. Auch ich bewerbe mich.

Kern der Kritik an meinem Blog ist nun, dass ich bereits in die Rolle des Burgenbloggers geschlüpft bin und unter der Adresse burgenblogger.today einen eigenen Burgenblogger-Blog und auf Facebook eine eigene Seite betreibe. Ich würde damit den späteren, echten Burgenblogger beschädigen, der sich gegenüber der Leserschaft kaum noch eigenständig profilieren könnte. Eine Mitbewerber nannte mich einen Trittbrettfahrer und mein Bewerberverhalten asozial und unfair. Ich solle doch meine Facebook-Seite bitte umbenennen. Starker Tobak, mit dem ich mich erst einmal auseinandersetzen musste.

Vor dem Start meines Blogs hatte ich mir einige Gedanken gemacht. In der Ausschreibung wurden keine Regeln für die Bewerbung vorgegeben. Im Gegenteil, es wurde alles andere als eine normale Bewerbung gewünscht. Der Hinweis, man könne die Bewerbung ja mit einem eigenen Blogbeitrag verlinken, führte mich zu der Idee eines Bewerbungsblogs. Ich überlegte mir, was ich an Stelle der Initiatoren aus der Bewerbung gerne ersehen wollen würde? Ich nahm an, dass man gerade auf die Fähigkeiten des Bewerbers gespannt sein dürfte, ein Online-Angebot unter Nutzung von sozialen Medien auf die Beine zu stellen. Also, warum dann nicht einen Bewerbungsblog machen. Gewissermaßen als proof of concept. Eine kurze Recherche im Internet erbrachte sehr schnell, dass ich mit dieser Idee alles andere als alleine war. Die Adresse Burgenblogger.de war als erstes weg. Aber auch burgenblogger.org war belegt und burgenblogger.com hatte sich auch schon ein Kollege geschnappt. Mittlerweile wurde auch burgenblogger.eu registriert. Und in der Tat kam mir der Gedanke, ob eine Domain “burgenblogger.irgendwas” überhaupt eine gute Idee sein könnte. Darf man den Namen einfach so verwenden? Schließlich weiß man ja nicht, ob man der spätere offizielle Burgenblogger werden wird. Wen benachteiligt man? Und was macht man im Zweifel später mit einer solchen Domain? An den offiziellen Burgenblogger abtreten, verschenken, einfach kündigen?

Nach längerem Überlegen entschloss ich mich trotz aller Zweifel zum Start meines WordPress-Blogs unter der Domain burgenblogger.today. Ich wollte mich mit meinem Bewerbungsblog auch klar auf die spätere Position beziehen und nicht über irgendetwas Beliebiges schreiben. Der Name sollte Programm werden und sich eindeutig auf das Burgenblogger-Projekt beziehen. Ist das schon unfair, sich eine gute Domain zu schnappen und zu nutzen? Das Problem hat man doch eigentlich immer. Wenn ich eine Domain registriere, dann schließe ich alle anderen aus, die das gleiche Recht auf den Namen hätten geltend machen können. Ich war einfach schneller. Ist das schon unfair? Ja und Nein. Die Ausschreibung machte keine Vorgaben. Die Initiatoren hatten keine Domains vorsorglich registriert oder in irgendeiner anderen Weise für eine Chancengleichheit an dieser Stelle vorgesorgt. Da wurde eine Idee in die Netzgemeinde geworfen und geschaut, was passiert. Offensichtlich waren die Initiatoren selbst überrascht, welche virale Kraft das Thema entfaltete. Unter burgenblogger,org hat ein Kollege einen automatischen Feed eingerichtet, der die Beiträge aller bekannten Online-Bewerber sammelt. Ich habe übrigens auch auf meinem Blog einen direkten Link zu burgenblogger.org eingerichtet (Siehe Menüpunkt “Was andere so schreiben …”). Auch auf Facebook formiert sich eine Burgenblogger-Welt. Es gibt dort mittlerweile fünf verschiedene Seiten, die sich Burgenblogger bzw. Burgenbloggerin nennen. Mehr Chancengleichheit als hier gibt es wahrscheinlich nirgendwo im Netz, da Facebook mehrere Seiten mit dem gleichen Namen zulässt. Über die Suche lassen sich alle Seiten auffinden, vollkommen unerheblich, ob es sich um fünf, fünfzig oder fünfhundert Seiten handelt. Jeder kann seine Seite gestalten und eine Lesergemeinde um sich versammeln. Auch hier bin ich offensichtlich nicht alleine.

Was spricht nun dagegen, in die Rolle des zukünftigen Burgenbloggers zu schlüpfen? Auf eine gewisse Art und Weise erscheint mir das sogar notwendig, um sich einzufühlen, mit der Sache vertraut zu machen. Wie soll der Blog aussehen? Wie an das Thema herangehen? Welche Themen könnten überhaupt interessant sein? Viele Ideen, die noch im Unreinen sind und wachsen müssen. Aber wollen die Initiatoren nicht genau das sehen? Wer ist dieser Kandidat, wie schreibt er und was kann man von ihm erwarten? Kann er mit sozialen Medien umgehen? Kann er Leser begeistern oder ist das alles vollkommen langweilig, dröge oder gar konventionell? Hat er die Ausdauer, die für einen solchen Blog notwendig ist? Ich denke, durch einen Bewerbungsblog kann man all dies zeigen oder eben auch nicht.

Was bedeutet jetzt aber Fairness im Umgang der Bewerber untereinander und im Bezug auf den Bewerbungsprozess. Burgenblogger in spe sind alle Bewerber mit gleichen Startvoraussetzungen. Die Initiatoren wollen von uns wissen, wie wir als Burgenblogger sein werden. Blogs mit dem Namen gibt es einige und niemand ist gehindert, einen eigenen Blog unter diesem oder einem ähnlichen Namen zu gründen und Leser für sich zu gewinnen. Hier ist niemand im Vorteil oder Nachteil, einzig bei der Wahl der Domain gibt es einen Geschwindigkeitsvorteil. Aber auch hier stellt sich die Frage, warum man auf eine gute Idee verzichten soll, nur weil noch niemand anderes darauf gekommen ist?

Nehmen die heutigen Burgenblogger in spe dem späteren offiziellen Burgenblogger etwas weg? Ich denke nicht. Der spätere Burgenblogger wird durch die Zusammenarbeit mit der Rhein-Zeitung ein vollkommen anderes Medienecho bekommen, wesentlich größere Leserkreise erreichen und Türen geöffnet bekommen, von denen alle Burgenblogger in spe heute nur träumen können. Zudem liegt zwischen der Bewerbungsfrist und dem Start des offiziellen Blogs über ein halbes Jahr. Dies ist im Bezug auf Online-Aktivitäten eine halbe Ewigkeit. Ob sich Mitte 2015 noch wirklich viele Menschen an den Burgenblogger-Hype von heute werden erinnern können, sei dahingestellt. Und ob der spätere Burgenblogger dann wirklich Burgenblogger heißt oder für den Stadtschreiber des Mittelrheintals ein anderer medienwirksamer Begriff geprägt wird, kann heute noch niemand wissen.

Bin ich nun unfair oder sogar asozial gegenüber anderen Bewerbern, wie es die Kritik an mir formulierte? Ich glaube nicht. Ich bin ein Bewerber wie alle anderen auch, nutze die Möglichkeiten, die das Netz mir bietet und die allen anderen genauso offen stehen. Ich habe keine besonderen Beziehungen oder irgendeinen VIP-Bonus. Ich breche keine Bewerbungsregeln und verhalte mich gegenüber anderen Bewerbern fair. Ich poste nicht auf fremden Seiten und mache mich so auf Kosten anderer bekannt (das wäre für mich in der Tat Trittbrettfahren). Oder poste Kritik auf fremden Seiten, ohne mich als Mitbewerber zu erkennen zu geben. Das wäre in der Tat unfair.

Im mache eigentlich genau das Gegenteil. Ich like sogar die FB-Seiten anderer Bewerber und mache sie dadurch unter meiner Leserschaft bekannt. Ich teile ihre Inhalte und freue mich über die Kreativität, die der Bewerbungsprozess an vielen Orten auslöst. Ich lege meine Ideen zu Themen und Vorgehensweisen offen und riskiere, dass andere diese Ideen kopieren. Im Ansatz verfolge ich also eher die Idee einer Burgenblogger-Community als mich mit Ellenbogen und unfairen Methoden gegen andere Bewerber durchsetzen zu müssen. Aus diesem Grund habe ich auch die öffentliche Gruppe “Burgenblogger” auf Facebook gegründet. Sie steht allen Interessierten offen, ob Leser, aktive Beitragende, oder Mitbewerber. Jeder kann mitmachen. Am Ende entscheidet sowieso die Rhein-Zeitung mit ihren Partnern über den zukünftigen Burgenblogger. Mit der dann gewährten professionellen Promotion wird er sehr schnell einen wirklich großen Leserkreis aufbauen und bei dauerhaft interessanten Beiträgen auch behalten.

 

 

Initiativen gegen Bahnlärm am Mittelrhein

In Ergänzung meines letzten Artikels möchte ich noch eine Übersicht über die mir bekannten Initiativen gegen Bahnlärm am Mittelrhein geben. Die Übersicht hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gerne nehme ich weitere Initiativen in diese Liste auf.

Pro Rheintal e. V. Bürgernetzwerke
info@pro-rheintal.de
www.ibk2010.de

BIN gegen Bahnlärm e. V. – Bad Honnef
Bad Honnef – Bonn – Königswinter
Gerd Kirchhoff
info@bingegenbahnlaerm.de 
www.bingegenbahnlaerm.de

BIN gegen Bahnlärm e. V. – Erpel am Rhein
Gunter Lannert
ghe.lannert@googlemail.com

IG Leutesdorf gegen Bahnlärm und Erschütterungenerich.schneider002@superkabel.de

Verein zum Schutz gegen Immissionen im 
Neuwieder Becken e. V.
adams-wein@t-online.de

Viel Lärm um nichts … weniger als das Mittelrheintal!

Das Mittelrheintal ist eine wahrhaft europäische Verkehrsader, die Nord- und Südeuropa miteinander verbindet. So malerisch die Kulturlandschaft auch erscheinen mag. so unerträglich sind die Belastungen für ihre Bewohner entlang der Verkehrswege. Insbesondere der Schienenverkehr hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Noch größeres Verkehrsaufkommens ist zu befürchten wenn 2017 der neue Gotthard Basis Tunnel in Betrieb gehen wird und damit zusätzliche Transportkapazitäten auf der Schiene geschaffen werden. Schon Anfang 2010 wurde von den Verkehrsministern der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen ein 10-Punkte-Programm “Leises Mittelrheintal” verabschiedet, welches sich in seinen Forderungen aber im Wesentlichen an den Bund und die Bahn richtet, die für die Lärm- und Erschütterungsschutzmaßnahmen des Schienennetzes verantwortlich sind.

Die Bewohner des Mittelrheintals finden sich damit im Widerstreit überregionaler Wirtschaftsinteressen mit regionalen Wirtschafts-, Umweltschutz- und Naturschutzinteressen wieder. Während der Nutzen dieser Verkehrsader von europäischer Bedeutung ist, bleiben die Belastungen regional begrenzt. Wie hoch sie dabei sind, zeigt die Studie Befragung zur Belästigung durch Bahnlärm im Mittelrheintal und im Rheingau/Rheinhessen-Zwischenbericht“ vom Dezember 2010. Danach sind 45,1% der Menschen im Mittelrheintal von Bahnlärm betroffen, im Bundesdurchschnitt jedoch nur 3,2% (Quelle: Webseite des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten, RLP).

So wundert es nicht, dass ebenfalls seit Jahren eine Reihe von Bürgerinitiativen entlang des Mittelrheins für eine Minderung der Lärm- und Erschütterungsbelästigungen eintritt. Ende 2012 wurden die öffentlichen und privaten Initiativen in einem Projektbeirat “Leises Mittelrheintal” gebündelt, der sich aus Vertretern der Länder Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen, den Bürgerinitiativen und Vertretern des Bundes sowie der Bahn zusammensetzt. Seine Aufgabe ist die Erarbeitung und Evaluation von technischen Lösungen  zur Belastungsreduzierung. Die vierteljährlichen Sitzungen werden bis heute von Protestaktionen der Bürgerinitiativen begleitet. Trotz einer weiteren Resolution im Jahr 2012 und zahlreicher Anstrengungen sind für die Bürger noch keine signifikanten Verbesserungen erreicht worden. Im Gegenteil. Die Situation scheint sich weiter zuzuspitzen.  Für den 20.09. ist eine neuerliche Groß-Demonstration in Bonn geplant, organisiert von der Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V.

Der zunehmende Bahnverkehr hat vielschichtige, gravierende Auswirkungen. Der Lärm macht die Menschen nicht nur krank, er vertreibt sie auch aus ihrem Tal, senkt den Wert der Grundstücke, lässt die Übernachtungszahlen sinken und reduziert insgesamt den touristischen Wert des Mittelrheintals.  Damit fügt er einem von zwei wichtigen wirtschaftlichen Standbeinen der Region erheblichen Schaden zu. Ein prosperierendes Mittelrheintal ist ohne eine deutliche Verbesserung des Lärmschutzes daher kaum denkbar.